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Anwesend – aber nicht da

  • Michael Schöffl
  • vor 3 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

A Walk in the Park
A Walk in the Park






















Ich sehe ihn oft. Den Hund, der stehen bleibt. Der schnuppert, schaut, wartet.

Am anderen Ende der Leine ein Mensch. Der Blick nach unten gerichtet. Der Daumen bewegt sich.Die Leine spannt sich.

Der Hund läuft weiter, weil er muss. Nicht, weil er möchte.

Der Moment geht vorbei.

Ich sehe Eltern mit Kinderwagen. Das Kind liegt darin, schaut in den Himmel, in die Bäume, ins Licht. Vielleicht lächelt es. Vielleicht sucht es Blickkontakt.

Die Hand am Griff schiebt weiter. Der Blick gehört dem Display.

Die Welt zieht vorbei – ungesehen.

Ich sehe Paare.Im Café. Im Restaurant. Auf einer Parkbank.

Zwei Menschen, ein Tisch. Zwei Gläser. Zwei Telefone.

Stille. Nicht die gute, ruhige Stille –sondern die, die entsteht, wenn man eigentlich woanders ist.

Sie sitzen sich gegenüber. Und sind doch nicht wirklich da.

Es ist kein Vorwurf. Es ist eine Beobachtung.

Eine leise.

Wann haben wir begonnen, die Zeit zwischen zwei Bildschirmen zu leben? Wann wurde das, was hier ist, weniger wichtig als das, was dort passiert?

Der Spaziergang wird zur Strecke. Das Zusammensein zur Pause zwischen Benachrichtigungen. Der Moment zu etwas, das man nebenbei erledigt.

Vielleicht merken wir es nicht einmal. Vielleicht fühlt es sich normal an.

Und genau das macht es so still.

Ich frage mich manchmal,was wir verpassen.

Nicht im großen Sinne. Nicht dramatisch.

Sondern ganz leise.

Den Blick eines Hundes, der uns etwas zeigen möchte. Den kurzen Moment, in dem ein Kind reagiert, weil es gesehen wird. Das unausgesprochene Gespräch zwischen zwei Menschen,das nur entstehen kann, wenn niemand auf sein Display schaut.

Vielleicht geht es nicht darum, das Handy zu verteufeln. Vielleicht geht es nicht um Verzicht.

Vielleicht geht es nur darum,wieder wahrzunehmen, wo wir gerade sind.

Mit wem wir gerade sind.

Der nächste Spaziergang. Die nächste gemeinsame Minute. Der nächste Kaffee auf der Parkbank.

Vielleicht reicht es, ür einen Moment nicht nach unten zu schauen.

Sondern dorthin,wo das Leben gerade stattfindet.


Vielleicht beginnt Veränderung nicht mit Verboten, sondern mit einer einzigen bewussten Entscheidung:

für ein paar Minuten einfach da zu sein.


Wie siehst Du das ganze?

Denkst Du auch so?

 
 
 

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