Männer in kurzen Hosen und warum ich der deutschen Autoindustrie mehr Respekt wünsche
- Nighttalker

- 21. Juli
- 3 Min. Lesezeit

Heute habe ich wieder etwas bemerkt.
An einer Ampel stand ein Mann in kurzen Hosen.
Eigentlich nichts Besonderes.
Millionen Menschen tragen im Sommer kurze Hosen.
Und trotzdem musste ich schmunzeln.
Ich weiß bis heute nicht, warum.
Es ist auch kein Angriff auf Menschen, die kurze Hosen tragen.
Jeder soll anziehen, worin er sich wohlfühlt.
Ich selbst ziehe im Urlaub vielleicht mal für einen Tag kurze Hosen an – wenn überhaupt. Ansonsten gehören lange Hosen für mich einfach dazu.
Vielleicht ist es einfach ein persönlicher Tick.
Wenn ich Männer in kurzen Hosen von der Seite sehe, entsteht in meinem Kopf immer das gleiche Bild.
Ich könnte ihnen eine alte Schülermütze aus längst vergangenen Zeiten aufsetzen, einen Tornister auf den Rücken schnallen – und plötzlich sehen sie für mich aus wie kleine Jungen auf dem Weg zur Schule.
Selbst ein Vollbart ändert daran nichts.
Ich weiß, dass das völlig subjektiv ist. Wahrscheinlich finden andere Menschen genau das Gegenteil und halten lange Hosen im Hochsommer für verrückt. Das ist auch völlig in Ordnung.
Gerade solche kleinen Eigenheiten machen Menschen interessant.
Während ich darüber nachdachte, musste ich plötzlich an etwas völlig anderes denken.
An die deutsche Autoindustrie.
Auf den ersten Blick haben beide Themen nichts miteinander zu tun.
Vielleicht auch auf den zweiten nicht.
Aber manchmal springt der Kopf eben von einem Gedanken zum nächsten.
Wenn man heute die Nachrichten verfolgt, könnte man meinen, unsere Automobilhersteller hätten plötzlich alles verlernt.
Da wird über Rückstände bei Batterietechnologien gesprochen, über Konkurrenz aus China, über verpasste Chancen und sinkende Verkaufszahlen.
Kritik gehört dazu.
Keine Frage.
Aber manchmal habe ich das Gefühl, dass aus Kritik regelrechtes Kaputtreden geworden ist.
Vor gar nicht so langer Zeit waren Namen wie Mercedes, BMW, Porsche oder Audi weltweit Synonyme für deutsche Ingenieurskunst.
Für Qualität.
Für Präzision.
Für Fahrzeuge, die nicht nur funktionierten, sondern Emotionen auslösten.
Diese Geschichte verschwindet doch nicht einfach über Nacht.
Natürlich holen andere Hersteller auf.
Besonders aus China entstehen beeindruckende Fahrzeuge.
Das sollte man anerkennen.
Konkurrenz belebt den Markt, und technologische Entwicklungen gehen heute unglaublich schnell.
Aber gleichzeitig frage ich mich, warum wir unsere eigenen Stärken so schnell vergessen.
Qualität entsteht nicht innerhalb weniger Jahre.
Eine Marke wächst über Jahrzehnte.
Manchmal über Generationen.
Der gute Ruf deutscher Automobile wurde nicht durch Werbeslogans aufgebaut, sondern durch Millionen Menschen, die auf diese Fahrzeuge vertraut haben.
Deshalb wünsche ich mir einen ausgewogeneren Blick.
Kritik, wo sie nötig ist.
Aber auch Anerkennung für das, was über Jahrzehnte geschaffen wurde.
Ich selbst fahre übrigens einen Japaner.
Nicht, weil ich deutsche Autos schlecht finde.
Ganz im Gegenteil.
Ein deutsches Fahrzeug wäre durchaus mein Wunsch gewesen.
Es lag schlicht außerhalb meines Budgets.
In meiner Preisklasse hat das japanische Modell besser zu mir gepasst – sowohl preislich als auch vom Design.
Das ändert aber nichts daran, dass ich deutschen Marken ihren Erfolg wünsche.
Nicht aus blindem Patriotismus.
Sondern weil sie für etwas stehen, das Deutschland über viele Jahrzehnte ausgezeichnet hat: hochwertige Produkte, Ingenieurskunst und den Anspruch, Dinge besonders gut zu machen.
Vielleicht werden sie Fehler machen.
Vielleicht müssen sie sich neu erfinden.
Aber sie verdienen die Chance dazu, ohne jeden Tag so behandelt zu werden, als wären sie plötzlich bedeutungslos geworden.
Manchmal habe ich den Eindruck, dass wir in Deutschland erstaunlich gut darin sind, unsere eigenen Stärken kleinzureden.
Vielleicht sollten wir stattdessen öfter daran arbeiten, sie weiterzuentwickeln.
So wie jeder Mensch seine Eigenheiten hat.
Der eine trägt eben kurze Hosen.
Der andere eben lieber lange.
Und vielleicht ist genau das völlig in Ordnung.
Nighttalker



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