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Der Abend, an dem das Internet verschwand

  • Autorenbild: Nighttalker
    Nighttalker
  • vor 5 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit


Gestern Abend stand ich am Bodensee.

Nicht an einem belebten Ufer mit Cafés oder Spaziergängern.

Sondern etwas erhöht, auf einer kleinen Straße, von der aus ich auf den See hinunterblicken konnte.

Es war still.

So still, dass ich irgendwann bemerkte, wie ungewohnt diese Stille für mich geworden ist.

Rechts von mir war Natur.

Links standen vier Kühe auf einer Weide.

Immer wenn ich aus dem Auto ausstieg, schauten sie zu mir herüber, als wollten sie wissen, was dieser Mensch dort eigentlich macht.

Mehr passierte nicht.

Kein Verkehr.

Keine Menschen.

Keine Benachrichtigungen.

Und noch etwas fehlte.

Ich hatte keinen Internetempfang.

Früher hätte mich das wahrscheinlich genervt.

Heute war es eines der schönsten Geschenke des Tages.

Zum ersten Mal seit langer Zeit musste ich nichts nachschauen.

Keine Nachrichten.

Keine Videos. Keine

E-Mails.

Kein kurzer Blick auf irgendeine App, aus dem am Ende doch wieder zwanzig Minuten werden.

Ich konnte einfach nur dort stehen.

Den See anschauen.

Die Abendluft spüren.

Und meinen eigenen Gedanken zuhören.

Dabei wurde mir bewusst, wie selten wir das eigentlich noch tun.

Wir leben in einer Zeit, in der wir fast jede freie Minute füllen.

Wenn wir warten, greifen wir zum Smartphone.

Wenn wir uns langweilen, öffnen wir eine App.

Wenn wir allein sind, suchen wir nach Unterhaltung.

Vielleicht haben wir dabei ein wenig verlernt, einfach nur mit uns selbst zusammen zu sein.

Ich glaube inzwischen, dass genau dort etwas Wertvolles liegt.

Nicht in noch mehr Informationen.

Nicht im nächsten Video.

Nicht im endlosen Scrollen.

Sondern in diesen stillen Momenten, in denen nichts passiert.

Vielleicht entstehen genau dort die Gedanken, die wir im Lärm des Alltags nie hören würden.

Auf der Rückfahrt habe ich deshalb einen Entschluss gefasst.

Ich möchte wieder lernen, offline zu sein.

Nicht aus Protest gegen das Internet.

Ich arbeite selbst damit und baue mein Projekt darüber auf. Das Internet ist für mich Werkzeug, Arbeitsplatz und Möglichkeit zugleich.

Aber genau deshalb möchte ich bewusster damit umgehen.

Ich werde ein kleines Experiment beginnen.

Ab sofort möchte ich mir jeden Freitag zwei Stunden schenken, in denen ich komplett offline bin. Kein Scrollen. Keine sozialen Netzwerke. Keine Webseiten. Einfach zwei Stunden ohne digitale Ablenkung.

Vielleicht werden daraus irgendwann vier Stunden.

Vielleicht ein ganzer Tag.

Vielleicht bleibt es auch bei zwei Stunden.

Das weiß ich heute noch nicht.

Aber irgendwo muss man anfangen.

Der Bodensee hat mir gestern Abend etwas gezeigt, das ich fast vergessen hatte.

Ruhe ist nicht langweilig.

Ruhe ist ein Ort.

Ein Ort, an dem man sich selbst wieder begegnen kann.

Und manchmal braucht es dafür nicht mehr als einen stillen Abend, vier neugierige Kühe und ein Smartphone ohne Empfang.


Nighttalker

 
 
 

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